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Grünes aus Brandenburg und Europa

Kinder kriegen!?

bird-family.jpgDie Robert-Bosch-Stiftung hatte eingeladen, bei Wein und Häppchen zwei Ministerpräsidenten zuzuhören. Bayerns Beckstein und Brandenburgs Platzeck sollten über die demographische Entwicklung in ihren Ländern erzählen, und was sie dagegen unternehmen. Bayern - das Menschengewinnerland und Brandenburg- das Menschenverliererland. Erst erzählten beide von ihrer Situation; Brandenburg hat seit der Wende viele EinwohnerInnen verloren, vor allem junge, gut ausgebildete Frauen, und wird auch in Zukunft weiter abbauen. Zudem gibt es eine starke Binnenmigration, d.h. die Leute ziehen aus der Lausitz und der Prignitz in die Berlinnahen Gebiete; den Speckgürtel. Als Lösungsansätze fielen dem Herrn Moderator zwei Möglichkeiten ein: mehr ZuwanderInnen oder mehr Kinder. Bei der Zuwanderung zeigte sich Platzeck offen - er sei froh über jede polnische Familie, die sich auf der Brandenburger Seite der Oder niederließe. Das stieß bei Beckstein nicht nur auf Symphatie. Beim Thema Kinder-Beschaffung waren sie sich dann schon eher einig: es müssen mehr Kinder her! Frauen müssen animiert werden, Kinder zu bekommen: das ist der Tenor vieler Demographiedebatten. Vor allem gut ausgebildete Frauen werden beschuldigt, eine Karriere den Kindern vorzuziehen. Abgesehen davon, dass Frauen, die tatsächlich Kinder haben wollen immernoch entweder auf den Beruf verzichten müssen und damit ihre Rentenansprüche aufgeben; oder zusehen müssen, wie sie einen Kindergartenplatz bekommen, der auch nachmittags noch verfügbar, den bezahlen und nebenbei noch einige BabysitterInnen beschäftigen wollen während Männer in der aktuellen Diskussion weder mit dem Kinder kriegen noch dem Kinder versorgen etwas zu tun haben… Da läuft etwas falsch! Doch selbst wenn es Ganztagsbetreuung für Kinder unter 3, emanzipierte Männer, Teilzeitarbeit etc geben sollte, wird es immer auch Menschen geben, die keine Kinder haben wollen. Einfach so. Weil sie nicht wollen. Und keinen Grund dafür sehen, welche zu bekommen. Denn auch wenn Kinder, kleine und große, sicher eine tolle Erfahrung und Bereicherung für manche Menschen sind; ist das nicht die Lebenswelt von allen. Ja, Frauen und Männer werden ohne Kinder glücklich. Sogar, ohne je an die Möglichkeit gedacht zu haben.

Wir sollten alles dafür tun, dass Menschen, die Kinder haben wollen, dies auch in Angriff nehmen können. Dazu gehört eine gute und bezahlbare Kinderbetreuung vom ersten Monat an; flexible Arbeitszeiten, emanzipierte Männer, uvam. und auch das Adoptionsrecht für Lesben und Schwule. Dazu gehört nicht, Frauen mit Betreuungsgeldern und anderen Herdprämien aus dem Beruf zu drängen. Dazu gehört nicht, Frauen zum gebären zu animieren. Und wir sollten es als selbstverständlich akzeptieren, dass Menschen kinderlos leben wollen. Und noch eines sollten wir und vor allem die Herren und wenigen Damen in der Landesregierung tun: sich Gedanken machen, wie sie mit weniger jungen und mehr Menschen umgehen; welche Chancen sich aus geringeren SchülerInnenzahlen, mehr Menschen mit Zeit für Ehrenamt; mehr Menschen, die aktiv bis ins hohe Alter aktiv sind, ergeben. Wie wir die Region für ZuwanderInnen aller Art attraktiver machen können. Und Demographie gestalten, und nicht verhindern wollen. Das klappt nicht.

Februar 13, 2008 - Verfasst von Ska Keller | Demographie | , , | Keine Kommentare

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